Loslassen

Loslassen

Ich sehe das satte Grün der Blätter meines Feigenbaums, die dieser Frühling neu hervorgebracht hat, ich bin dankbar, finde aber keinen Trost.

Ich sehe die Farbenpracht des Rosenbuschs, der in voller Blüte steht. Ich genieße den Anblick und bin dankbar, finde aber keinen Trost.

Neben mir sitzt mein treuer Hund und steht mir bei, ich bin dankbar, finde aber keinen Trost.

Die Sonne scheint mild auf mich herab. Ich genieße es, ich bin dankbar, finde aber keinen Trost.

Ich höre, wie die Schar der Vögel den Frühling mit melodischen zwitschern begrüßt, ich bin dankbar, finde aber keinen Trost.

Ich habe ein Dach über den Kopf, kann meinen Morgenkaffee im Garten genießen. Ich fühle mich wohl, bin dankbar, finde aber keinen Trost.

Ich halte fest an dem Gefühl, das ich diesem einen, besonderen Menschen geschenkt habe. Er will nicht mehr, Gefühle sind aber untrennbar mit mir verbunden. Langsam jedoch dämmert mir, dass mein letzter Beweis von Zuneigung für diesen Menschen sein wird, ihn loszulassen.

Ich bin dankbar für die schöne Zeit mit diesen Menschen, finde aber keinen Trost.

Trost, finde ich nicht. Trost muss ich entdecken. Ich muss Tun!

Ich will verzeihen, will loslassen, will hinter mir lassen, was mich so verletzt hat, und doch klebt dieser Schmerz an mir wie Pech. Es liegt in meiner Hand, jedoch habe ich diesen kleinen Schalter noch nicht gefunden, der es mir ermöglicht, leichten Herzens fortzufahren. Es geht mir gut und doch versinke ich in einem Meer aus Trauer, Angst und Schmerz. Ich muss nur anfangen zu schwimmen. Ich kann das Ufer sehen, aber es ist mir nicht möglich, mich zu bewegen. Wo ist mein Lebenswille? Wo ist der Mensch, der all die guten Dinge sieht, selbst im schlimmsten Moment? Er steckt in mir, streckte mir seine Hand entgegen, zum Greifen nah. Ich schaue ihn an, und es ist mir nicht möglich, mich zu bewegen. Angst lähmt mich.

…bis zu dem Moment, an dem ich erkenne, dass niemand mir schaden kann als ich selbst.

… und die Blätter sprießen, die Rosen blühen, die Vögel singen, die Sonne scheint. Die Welt, sie drehte sich unbeeindruckt weiter.

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